Vermeidung einer Reisethrombose

Unser Blutkreislauf besteht aus einem aktiven und einem passiven Teil. Aktiv pumpt die rechte Herzkammer sauerstoffarmes Blut in den Lungenkreislauf und die linke Herzkammer sauerstoffreiches Blut über die Aorta, die Hauptarterie, in den Körperkreislauf. Mit Durchströmen der Kapillaren im Körpergewebe bzw. der Lungenbläschen beginnt der passive Teil des Blutkreislaufs. Das Blut muss passiv zurück zum Herzen geleitet werden, weil keine weitere „Pumpe“ zur Verfügung steht. Hier behilft sich der Körper mit einem genialen System. Die Venen weisen sogenannte Venenklappen auf, die wie Rückschlagventile wirken. Die Venen werden von Muskeln, die wir anspannen, ein wenig eingeengt, so dass das Blut herausgedrückt wird und wegen der Venenklappen immer nur in Richtung Herz fließen kann. Der venöse Blutstrom zum Herzen ist also davon abhängig, dass wir unsere Muskeln „spielen lassen“. Unsere Muskulatur übernimmt damit quasi die Aufgabe einer Venenpumpe.

Stundenlanges Stillsitzen im Flugzeugsitz kann den venösen Blutstrom stark beeinträchtigen – vor allem in den Beinen. Das Blut staut sich in den Beinen, so dass sich die Haut spürbar anspannt und Knöchel und Unterschenkel ein wenig anschwellen. Bei Personen, die unter Krampfadern, Venenentzündung und an einer Herzkrankheit leiden oder die starke Raucher sind, macht sich die Blutstauung in den Beinen besonders stark bemerkbar. Das gilt auch für Frauen, die „die Pille“ nehmen. Es besteht die Gefahr der Ausbildung eines Blutgerinnsels, das die Vene blockiert und eine gefährliche Thrombose verursacht.

Die wichtigste Maßnahme zum Ankurbeln der Venenpumpe liegt in der Betätigung der Beinmuskulatur. Die Aktivierung der muskulären Venenpumpe beugt nicht nur dem Blutstau in den Beinen vor, sondern ist auch eines der wirksamsten Mittel zur Verhinderung einer Thrombose. Bei Langstreckenflügen zahlt es sich aus, mehrmals aufzustehen und ein paar Schritte im Gang zu tätigen oder auf der Stelle auf den Zehen zu wippen, was besonders die Wadenmuskulatur aktiviert. Alternativ hilft es bereits, im Sitzen die Beine abwechselnd mehrmals anzuwinkeln und wieder auszustrecken und dabei auch die Schuhe auszuziehen, um die Knöchelgelenke besser bewegen zu können. Zehengymnastik durch mehrmaliges Abspreizen und Anwinkeln unterstützt die Wirksamkeit der Venenpumpen. Die abwechselnde Anspannung und Entspannung der Beinmuskulatur massiert die Venen, und das Blut wird zum Herzen befördert.

Besonders gefährdete Personengruppen sollten vor Antritt des Fluges mit ihrem Arzt Rücksprache halten, um eventuell Kompressionsstrümpfe zu tragen oder „blutverdünnende“ Medikamente einzunehmen, die einer Thrombose vorbeugen können. Wichtig ist auch hier eine genügende Flüssigkeitsaufnahme in Form von stillem Wasser oder Fruchtsäften (möglichst ohne Kohlensäure). Alkohol sollte weitestgehend gemieden werden, weil er zur Erweiterung der oberflächlichen Blutgefäße führt und ein zusätzliches Thromboserisiko darstellt.