Linderung von Reiseübelkeit

Wenn wir uns auf eigenen Beinen oder mit dem Rollstuhl oder Fahrrad bewegen, erhält unser Gehirn laufend Informationen von den Augen, dem Gleichgewichtssinn im Innenohr und unserem propriozeptiven System, das aus Millionen einzelner Sensoren besteht, die in den Muskeln und den Gelenken verteilt sind und uns über Muskelanspannung und die Stellung der Gelenke informieren. Die Flut der Informationen wird unbewusst vom Gehirn verarbeitet und zum Teil zur Steuerung unserer Bewegungen in – ebenfalls unbewusste – Kontraktionsanweisungen an bestimmte Muskelpartien umgesetzt. Das Gehirn hat es gelernt, auch bei widersprüchlichen und inkompatiblen Informationen des Gleichgewichtssinns die „Orientierung zu behalten“ und inkompatible Meldungen der Sensoren einfach zu unterdrücken oder fehlende Meldungen, die erwartet wurden, einfach zuzumischen (Bewegungsillusion). Jeder, der ein einjähriges Kind beim Erlernen des aufrechten Gangs begleiten durfte, kennt die Problematik, die mit der Koordinierung der Bewegungen verbunden ist.

Reiseübelkeit, die vorwiegend bei Reisen auf See, mit dem Auto oder mit dem Flugzeug auftritt, wird hauptsächlich durch eine Flut „falscher“ und so nicht erwarteter Meldungen von unserem Gleichgewichtssinn und anderen Sensoren verursacht. Die Übelkeit wird deshalb auch Kinetose genannt, was frei übersetzt mit Bewegungskrankheit bezeichnet werden könnte. Das Gehirn kann die ungewöhnlichen Rückmeldungen, die mit den visuellen Eindrücken nicht mehr im Einklang stehen, nicht einordnen und neigt im Extremfall dazu, eine mögliche Vergiftung durch halluzinogene Substanzen wie Giftpilze oder giftige Pflanzen anzunehmen. Falls dadurch ein Brechreiz ausgelöst wird, dient dieser eigentlich dem Selbstschutz, um die Substanzen, die vermeintlich die Fülle von „falschen“ Meldungen der Lagesensoren ausgelöst haben, auf schnellstem Wege aus dem Körper auszuscheiden.

Typische erste Anzeichen einer sich abzeichnenden Reisekrankheit sind Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Blässe, Schwindelgefühle und Übelkeit sowie ein schneller Atem (Hyperventilation). Weniger auffällige Symptome sind abfallender Blutdruck und ein erhöhter Puls. Um der Reiseübelkeit auf einem längeren Flug vorzubeugen, empfiehlt es sich vor Reiseantritt für ausreichend Schlaf zu sorgen und eine leicht verdauliche Mahlzeit einzunehmen. Sie sollte nicht zu fetthaltig sein und beispielsweise Obst oder Salat und Kohlenhydrate enthalten. Ein leerer Magen bei Reiseantritt ist nicht zu empfehlen, weil er die Reiseübelkeit fördert. Wichtig ist es – besonders bei längeren Flugreisen – die Flüssigkeitsreserven mit kohlensäurearmen Getränken aufzufüllen. Milch, Kaffee und vor allem Alkohol sind hierfür weniger gut geeignet. Zur Vorbeugung und zur Behandlung aufgetretener Reiseübelkeit helfen Reisekaugummis und Tabletten gegen die Reisekrankheit. Kaugummi und Tabletten in verschiedener Stärke sowie Tropfen sind in der Apotheke erhältlich und enthalten Wirkstoffe, die eine übermäßige Histaminausschüttung verhindern, was Übelkeit und Brechreiz unterdrückt.