Professioneller Umgang mit trockener Kabinenluft

Moderne Passagierflugzeuge steigen für den Reiseflug auf große Höhen, um zur Kosteneinsparung und zugunsten einer höheren Reichweite möglichst wenig Kraftstoff zu verbrennen. Das hängt mit der Physik der Atmosphäre zusammen. Der abnehmende Luftdruck mit zunehmender Höhe sorgt für einen sehr viel geringeren Luftwiderstand und damit für einen geringeren Kerosinverbrauch. Die Reiseflughöhe für Langstreckenjets beträgt daher in der Regel um die 11.000 bis 12.000 Meter. Der Außendruck erreicht in der Reiseflughöhe nur noch weniger als 30 Prozent des Luftdrucks in Meereshöhe, und die Außentemperatur beträgt zwischen minus 50 und minus 70 Grad Celsius. Der niedrige Druck und die niedrige Temperatur führen dazu, dass die Außenluft, in absoluten Werten gemessen, nur wenig Wasser aufnehmen kann.

Um den Passagieren möglichst angenehme Bedingungen zu schaffen und sie auch mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen, wird kontinuierlich über die Triebwerksverdichter – die befinden sich noch vor der Brennkammer – über ein mehrstufiges Verfahren vorverdichtete Außenluft (Bleedair) in die Kabine geleitet. Die Außenluft wird dabei auf einen Druck komprimiert, der in etwa 2.400 Meter über dem Meeresspiegel herrscht und die Temperatur auf angenehme Raumtemperatur angehoben, so dass wir uns auch ohne Winterbekleidung und ohne Sauerstoffmaske in der Kabine wohlfühlen. Das funktioniert alles sehr gut, allerdings nimmt die relative Luftfeuchtigkeit in der Kabinenluft durch die Temperaturerhöhung und den Druckanstieg extrem niedrige Werte von nur 10 bis 20 Prozent an. Unsere „Wohlfühlluftfeuchte“ liegt aber bei 40 bis 60 Prozent. Theoretisch wäre es möglich, die vorverdichtete Luft zu befeuchten, was aber Gewichtsprobleme aufwirft, weil auf einem Langstreckenflug zusätzlich viele Tonnen Wasser mitgeführt werden müssten.

Uns Passagieren bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die extrem trockene Luft einzustellen, um die Probleme so gut es geht, abzumildern. Das gilt selbstverständlich auch für die Crewmitglieder, denn sie müssen sich trotz Vielfliegerei mit den gleichen Problemen auseinandersetzen. Gegen eine allgemeine Austrocknung (Dehydrierung) hilft am besten viel trinken und zwar möglichst kohlensäurearmes Mineralwasser und nicht zu viel Fruchtsäfte. Alkohol sollte möglichst nicht oder nur in geringen Mengen konsumiert werden, weil er durch seine gefäßerweiternde Wirkung das Ausschwitzen verstärkt und der Körper zum Abbau des Alkohols vermehrt Wasser über die Nieren ausscheidet. Auch Kaffee und Tee wirken mild entwässernd und sollten deshalb nur in begrenzten Mengen konsumiert werden. Als Faustformel gilt, dass pro vier Flugstunden bis zu einem Liter Flüssigkeit zugeführt werden sollte. Gegen eine Austrocknung der Nasenschleimhäute helfen kochsalzhaltige Nasensprays oder eine feuchtigkeitsspendende Nasensalbe. Zur Vermeidung unangenehm brennender und roter Augen empfehlen sich entsprechende Augentropfen. Falls der Versuch der Mitnahme von Sprays, Salben oder Tropfen im Handgepäck bereits an einer verschärften Sicherheitskontrolle scheitert, hilft es, die Augen von Zeit zu Zeit mit kohlensäurefreiem Wasser zu benetzen. Hände und Gesicht danken es mit einem angenehmen Gefühl, wenn während des Fluges eine feuchtigkeitsspendende Lotion oder Creme aufgetragen wird.